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Neue 5-Rhythmen-Lehrer an den Anlässen von TanzDichGanzNachdem ich die Donnerstagabende in Sankt Gallen gänzlich meinen beiden LehrerkollegInnen Anna Schricker und Dagmar Cee übergeben habe, werden nun auch die Mittwochabende in Winterthur vermehrt von GastlehrerInnen geleitet. Dagmar Cee, Beatrice Fischer und Lars Kahlenberg wechseln sich dabei gegenseitig ab. Manchem treuen Mittwochabendtänzer mag das schwer fallen. Ich bin überzeugt, dass es zu einer Bereicherung und einer Vertiefung des eigentlichen Anliegens der 5 Rhythmen führt. Wenn wir unabhängig von der Lehrerpersönlichkeit in den eigenen Tanz in seiner ganzen Fülle finden, dann entsteht ein grosses Mass an Selbstverantwortung und innerer Freiheit, was ich mir so sehr für jeden von uns wünsche. Ich freue mich über die Bereitschaft meiner KollegInnen, dieses nicht ganz einfache Erbe anzutreten und noch viel mehr über die Bereitschaft jedes Tänzers an diesen Abenden, wirklich mit dem zu tanzen, was gerade da ist. Dazu habe ich nachfolgend einen Artikel verfasst, der ein wenig mit diesem Thema tanzt: Ein guter Lehrer – ein schlechter Lehrer «Du bist einfach der beste Lehrer….» Dieses Kompliment kam mir bei einem Tanzanlass aus einem freudestrahlenden Gesicht entgegen geflogen. Ich fühlte ich mich natürlich sehr geschmeichelt. Mein wohliges Lächeln hat sich aber schnell verzogen, als am selben Tag eine E-Mail hineinflatterte, in der ich eine happige Kritik über meinen Leitungsstil lesen durfte. «Wo viel Licht ist, ist viel Schatten»: Mit diesem Kommentar wollte ich das Ganze dann auf die Seite schieben. Und doch hat es einen Prozess in mir zum Gären gebracht: Was ist ein wirklich guter 5-Rhythmen-Lehrer? Ist es die Qualität seiner Musik oder wie er die Übergange zwischen den einzelnen Rhythmen schafft? Ist es seine Präsenz für den aktuellen Gruppenprozess? Seine Fähigkeit zu begeistern? Wie gut er reden kann? Wie einfühlsam er ist? Wie er selbst das verkörpert, was er predigt? Ich könnte einen Katalog an Kriterien zusammenstellen und käme wohl kaum an ein Ende. Und im Laufe der Jahre habe ich erlebt, dass es manchmal genau die gleiche Eigenschaft ist, die manch einer als „wundervoll“ beurteilt, und ein anderer als „ziemlich daneben“. Ob ein Lehrer gut oder schlecht ist, scheint sehr subjektiv zu sein und eher geprägt von persönlichen Vorlieben als von objektiven Kriterien. Als ich einmal aus einem «dummen» Zufall heraus selber bei einem Lehrerkollegen tanzen durfte, zu dem mich mein eigenes Werturteil niemals hingezogen hätte, konnte ich beobachten, wie meine Negativbewertungen über seinen Leitungsstil anfangs nur so in mir sprudelten. Bis ich auf einmal feststellte, dass ich es mir selber unheimlich schwer machte, genussvoll an diesem Abend dabei sein zu können. Ich war gefangen, wollte einerseits hier sein, weil die 5 Rhythmen doch mein Herzblut sind. Und andererseits dachte ich ständig ans Weggehen, weil ich alles ziemlich doof fand. Mir fiel ein, wie meine Lehrerin Gabrielle Roth manchmal ziemlich hart zu sagen pflegte: „Wer verdammt noch mal tanzt deinen Tanz, wenn nicht du selbst?“ O.K. dachte ich, das sind jetzt meine Füsse, die hier tanzen, es ist mein Atem, der mich jetzt belebt, es ist mein Körper und es sind meine Urteile in meinem Kopf, die mich nur an Flucht denken lassen. Ich fing an, die Zerrissenheit, in der ich da war, das Urteils-Wirrwarr in meinem Kopf zu tanzen. Es wurde ein ziemlich wütender und unbeholfener Tanz. Meine Füsse stampften, mein Atem schnaubte, meine Arme ruderten wild um mich herum. Ich fühlte am ganzen Körper eine starke Energie, die aus dieser Spaltung zwischen Kopf und Herz entstand. Es half mir zuerst nicht, mein Urteilen zu stoppen. Irgendwann veränderte sich aber etwas: Allmählich kam eine Lust an meinen heftigen, chaotischen und verurteilenden Bewegungen auf. Es war richtig faszinierend, den ganzen Körperausdruck zu einem einzigen Vorwurf werden zu lassen und die „Scheisse“ zu tanzen, in der ich drin war. Es machte Spass, mit Armen und Beinen zu fluchen, zu urteilen und alles körperlich auszuspucken, was sich in mir angesammelt hatte: Es wurde zu einem der besten Chaostänze, die ich hatte (oh Gott – auch wieder ein Urteil was ein guter Chaostanz ist). Und mein lieber Lehrerkollege lieferte zu meiner grossen Überraschung eine wunderbare Chaosmusik dazu. Am Ende des Abends war soviel Dankbarkeit über mich, über den Tanz und über die Weisheit meiner Lehrerin in mir. Vor allem dankte ich innerlich meinem Lehrerkollegen, der mir den Raum für diese Erfahrung zur Verfügung gestellt hat und alles erdulden konnte, was sich in mir abspielte. Über die 10 Jahre meines Lehrerdaseins ist mir klar geworden. Es gibt keine wirklich guten oder schlechten Lehrer. Es gibt aber die Bereitschaft, die Verantwortung für die momentane Situation ganz zu sich zu nehmen – vor allem dann, wenn es mir ein scheinbar schlechter Lehrer schwer macht. Die 5 Rhythmen bieten unabhängig von der Lehrerpersönlichkeit einen enorm freien Raum, in dem jeder diese Verantwortung für sich selbst in einen körperlichen Ausdruck bringen kann. Es lohnt sich also einen scheinbar „schlechten“ Lehrer zu geniessen, um zu erforschen wie frei die seele sich wirklich bewegen kann. Andreas Tröndle |
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